„Der liebe Gott tut nichts als fügen“ – Sommertreff der GCL Aachen-Köln im Rahmen des Gemeindefestes der Pfarrei Sankt Peter in Köln

Da kam viel zusammen an diesem 2. Juli in Köln: zunächst einmal das Gemeindefest der Pfarrei, die uns Obdach gibt; dann die Verabschiedung von P. Werner Holter SJ, der nach neun Jahren aus gesundheitlichen Gründen Köln verlassen wird – Danke Ihnen, P. Holter, dass Sie uns Tor und Tür geöffnet haben! (Angemerkt sei, dass wir uns bei seinem Nachfolger, P. Stephan Kessler SJ, keine Sorgen machen, dass diese Tür verschlossen werden könnte!) Zum Dritten der Besuch von drei Gästen aus der französischen CVX, die uns für ein Wochenende besucht haben. Marie-Emmanuelle aus Paris und das Ehepaar Odile und Jean aus der Nähe von Lyon haben unsere Einladung angenommen. Hierbei gilt der Dank besonders an Tim Mennel und Marita Thenèe, die zusammen mit vier anderen Mitgliedern aus den Kölner und Bonner Gruppen die Gäste betreut haben. Dies war ja bereits der zweite Besuch aus der französischen CVX in Köln – und wir hoffen, dass es weitergeht. Nach dem gemeinsamen Gottesdienstbesuch haben wir neben der Begegnung mit der Gemeinde mit insgesamt 16 Menschen aus den Gruppen am Nachmittag für eineinhalb Stunden einen zweisprachigen Austausch über das durchaus sperrige Evangelium dieses Sonntags gewagt. Beate Bleck, die den Austausch anleitete, sprach von kleinen Fenstern, die wir uns gegenseitig geöffnet haben, um ein wenig Licht zu bringen in das Evangelium vom Kreuztragen und vom Aufnehmen derer, die für Christus gehen – passend zur Predigt von P. Holter, der seine Aufgabe als Seelsorger mit einem „Sucher nach dem Regenbogen“ – frei nach einem Gedicht von Paul Celan – beschrieben hatte. Und an schönen Früchten brachte dieser Nachmittag nicht nur eine völlig unerwartete und überraschende Begegnung mit P. Karl Kern SJ, die eine Verbindung zur GCL München und zu St. Michael darstellte. P. Kern gehörte zu den Gästen der Veranstaltung. Eine weitere Frucht war die Begegnung mit zwei jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach einer Gruppe für Junge Erwachsene sind und die auch Bereitschaft zeigen, sich dafür zu engagieren. Es tut einfach gut, es schenkt Trost, würde Ignatius sagen, zu sehen, wie Dinge sich entwickeln und sich fügen. Ich bin ja sowieso der Meinung, in Köln täte der liebe Gott gerade mal nichts anderes als fügen. Die Erfahrung tut gut, ich wünschte, ich könnte mehr darauf vertrauen, und ich wünsche sie den anderen Diözesan- und Regionalgemeinschaften von Herzen.

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Treffen des europäischen Migrations-Netzwerkes vom 7.-9. April 2017 in Barcelona

servir en las fronteras

heißt auf Deutsch an den Grenzen dienen; mit diesem Satz auf einem Armbändchen wurden wir in Barcelona begrüßt, wo wir uns mit 15 anderen Gesandten aus Europa trafen. Mit diesem Motto ist schon der Sinn dieses Treffens umrissen: Wie können wir gemeinsam im Dienst an Flüchtlingen und Migranten wachsen und uns dabei gegenseitig unterstützen?

Für uns beide war es schon grenzwertig, nur für ein Wochenende nach Barcelona zu fliegen. Und den Bekannten, denen man gleich noch erklärt, dass wir weder am Strand sein noch die Kirche „familia sagrada“ besuchen werden, kommt es dann richtig spanisch vor.  So war dieses Wochenende auch ein Dienst aber mit vielfältiger Bereicherung und Stärkung. Es wurde uns beiden deutlich, was es in Europa für die GCL heißt ein „Leib mit vielen Gliedern“ zu sein und insbesondere ein „apostolischer Leib“.

Die 17 Teilnehmer/innen dieses Treffens aus 10 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich, Malta, Polen, Schweden, Großbritanien,Deutschland) erzählten sich gegenseitig, welche Aufgabe im Zusammenhang mit Flüchtlingen sie übernehmen, welche Schwierigkeiten sie dabei mit diesem Thema haben, welche Ideen und Projekte gewachsen sind.  In Spanien wird das Leben einer „Willkommenskultur“ als nationale GCL-Aufgabe gesehen und man hat zum Ziel mehr mit den Jesuiten zusammenzuarbeiten. Die Franzosen sind sehr aktiv in vielen Projekten und stellten in der Runde die Frage „Wie kann man in GCL-Gemeinschaft schnell eine gemeinsame Antwort finden?“, noch dazu wenn es 7000 Mitglieder sind. In Luxemburg organisiert die GCL in zwei Gästehäusern für minderjährige Flüchtlinge eine Freizeit an der Mosel, bei der junge Erwachsene (21-35 Jahre) die Aufsicht haben. Hierzu können sich auch französische sprechende junge Erwachsene aus Deutschland eingeladen fühlen, ein Einsatz dauert fünf Tage. (Interessenten können sich melden bei: arausch@pt.lu) In Österreich hat sich die letzten Jahre sehr viel entwickelt. Es startete mit der Frage „Was braucht es?“ und bis heute haben sich daraus verschiedene Aktionen entwickelt. So wurden Postkarten an alle GCL zum Flüchtlingsthema verschickt, es gibt einen monatlichen Gebetsimpuls auf der GCL-Homepage und es werden Infos via email verteilt. Das Netzwerktreffen in Linz im Februar war gut besucht. In Malta ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst sehr aktiv und es wurde der päpstliche Vorschlag „einer Flüchtlingsfamilie in jeder Gemeinde Wohnung bieten“ aufgegriffen. In Polen haben vor vier Jahren Flüchtlinge immer bei Jesuiten in Warschau um Hilfe gebeten, dieser Örtlichkeit haben sich GCLer angeschlossen und unterstützen Flüchtlinge auf vielfältige Weise. In Italien bietet die nationale GCL in Rom Flüchtlingen eine Unterkunft und in Rom, Neapel und Palermo bieten Jesuiten und GCL gemeinsam ein Freiwilligenprojekt an. In GB ist derzeit der Brexit ein traurig vorherrschendes Thema und ich war beeindruckt, dass zwei GCLerinnen aus GB sich auf den weiten Weg nach Barcelona aufgemacht hatten. Dass Schweden trotz des noch laufenden GCL-Anerkennungsprozesses eine Vertretung nach Barcelona schickte, zeigte uns, dass auch im Norden Europas das Thema sehr wichtig genommen wird.

CLC_Migration_Network_Barca

Wir erlebten direkt, wie unterschiedlich die Gegebenheiten in den verschiedenen Ländern sind und wozu sich die einzelnen Nationalgemeinschaften berufen fühlen. Wie das Auge nicht die Aufgaben des Zwerchfells übernehmen kann und soll, so kann und muss keiner von uns seinen Dienst  vergleichen mit dem der spanischen, polnischen oder britischen GCL. Wir dürfen uns ergänzen und tun dies wie die Apostel als Gesandte Jesu.

Das spanische Migrationsteam, das im Wesentlichen aus Maria Morales besteht und von Adelaida La Casta unterstützt wurde, hatte sich 4 Arbeitsbereiche für unser europäisches Migrationsnetzwerk überlegt mit dazugehörigen Zielen, über die wir den ganzen Samstag nachdachten, diskutierten und berieten.

1) die Wahrnehmung und Kenntnis der Realität von Flüchtlingen erhöhen
–> Informationen aller Art zur Verfügung stellen, wo sich GCL-Mitglieder in Europa
informieren und berühren lassen können
–> hier scheint eine europäische Website wichtig, die mehrsprachig genutzt werden               kann

2) Unterstützung bei Unterscheidungsprozessen, wie in der Vorgehensweise des USUAL             –> es geht darum in den Nationalgemeinschaften und als euop. Gemeinschaft                  konkrete Antworten auf diesem Feld von Sendung zu finden; also wie reagieren                  wir als GCL-Gemeinschaft/en auf die Situation der Flüchtlinge?

3) Projekte auf europäischer Ebene (weiter)entwickeln                                                                –> hierbei soll sichtbar werden, dass wir nicht nur als Einzel“kämpfer“ im Einsatz sind,       sondern als „apostolischer Leib“ agieren, es geht auch darum, dass wir erfahren            können und zeigen, dass wir als Christen zum Dienst an den Menschen, die uns               brauchen, berufen sind.

4) sich auf europäischer zum Anwalt der Flüchtlinge und Migranten machen                   –> unsere Stimme als GCL-Gemeinschaft erheben gegen Verletzung der Menschen-         rechte und ungerechte Entscheidungen auf europäischer politischer Ebene.

Da wir ja kein politisches Aktionsbündnis sind, sondern eine ignatianische Gemeinschaft, gab es in diesem Austausch gleich viel Aufmerksamkeit für jedes Mitglied, sei es aus einer ganz jungen, noch gar nicht anerkannten Gemeinschaft wie z.B. Schweden oder aus einer Gruppe von nur 200 Mitgliedern in Britanien, die sich noch gar nicht gemeinschaftlich für Flüchtlinge engagiert oder aus den ganz massiv betroffenen Ländern wie Italien, Malta, Spanien und Frankreich. Und es gab natürlich Zeiten der Stille und des Gebets, um das Gehörte sinken zu lassen und dem Geist Gottes einen Raum für sein Wirken zu öffnen.

Andere Aspekte von Bereicherung, die wir in diesen zwei Tagen erfahren haben, waren die Unterbringung bei Vinzentinerinnen, mit einem fast paradiesischen Park rund um das Haus, von dem wir einen herrlichen Blick auf Barcelona hatten;  die gemeinsame geschwisterliche Feier des Palmsonntags mit weiteren 4 Personen, die hier ihre Exerzitien gerade beendeten und mit zwei Jesuiten, die auf englisch und französisch die Messe mit uns feierten; die Einladung durch die spanische GCL zu einem köstlichen Eis im Zentrum von Barcelona am Samstagabend; die Erfahrung der unterschiedlichen Lebhaftigkeit europäischer Menschen und wie inspirierend sich das ergänzen kann.

Bisher war das GCL-Netzwerk „Migration“ von der spanischen GCL geleitet worden (Maria Morales) und es wurde entschieden, dass dafür zukünftig ein CORE-Team gebildet werden soll. Darin mitarbeiten werden Maria Morales(Spanien), Laura Scaglia(Italien), Nicole Amrouche(Frankreich)

CLC_Migration_COREteam_Barca

Foto: von links das CORE-Team Nicole, Maria und Laura mit Claudine Drochon (Euroteam)

Für uns als deutsche GCL geht nun die Frage weiter, was wir zum Thema Migration in den europäischen „Leib“ einbringen können, was unserem Charisma entspricht und welche Sendung wir in diesem Bereich erkennen. Es gibt viele einzelne GCLer/Innen, die sich für Flüchtlinge in ihrer Umgebung einsetzen, aber wie können wir uns darin als „ ein apostolischer Leib“ erfahren?

Ingrid und Patrick Jutz, Ettlingen

Mehr Vertriebene als Fluechtlinge

Seit dem 2. März bin ich im Ostkongo unterwegs. In Goma traf ich Jesuiten des JRS und durfte einige Tage deren Arbeit in Masisi und Umgebung kennenlernen. Dort gibt es zehn Camps mit vorrangig Vertriebenen, also Menschen, die vor Gewalt und Rebellen im Inland geflohen sind. Diesen Begriff kennen wir heute so in Deutschland gar nicht mehr. 

Ich werde weiter nach Bukavu reisen und darf dort im Exerzitienhaus übernachten. Und vielleicht klappt es ja auch dort CVX Bukavu zu treffen.

Weitere Infos unter:  www.Jutz.me

„Geben wir ihnen zu essen?“

Die GCL Österreich lädt GCL-Mitglieder und alle Interessierten an der Arbeit und dem Leben mit Flüchtlingen ins Jugendgästehaus in Linz ein. Wesentliche Elemente sind:

  • thematische und spirituelle Impulse
  • Zeiten der persönlichen Reflexion
  • Anhör- und Gesprächsrunden
  • Verknüpfung des Alltages mit dem spirituellen Erleben

Termin:                         24. – 26. Februar 2017

Anmeldung bis 19. November 2016 an anmeldung@gcloe.at

Kosten und weitere Details im angehängten Flyer.

vernetzungstreffen_fluechtlinge

 

„Ich fange an – Ängste und Vorsorge für das Lebensende“

Am 8. Oktober trafen sich Menschen der GCL-Gemeinschaft der Region Karlsruhe-Ettlingen-Rastatt, um sich mit einem sperrigen Thema zu beschäftigen:

p1040588Seit Jahren nehme ich mir vor eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht auszufüllen. Aber irgendwie liegen die Formulare immer noch unausgefüllt auf meinem Schreibtisch. Es gibt darin so viele Fragen und ich weiß nicht, ob ich darauf schon meine Antworten habe und wie finde ich diese?

Bei Kaffee und Tee kam man locker an und konntep1040585 sich noch kurz erzählen, was sie gerade bewegt. Diese Gespräche waren dann so ausführlich, dass wir etwas verspätet angefangen haben. Wir waren froh zwei Fachleute in unseren Reihen zu haben, eine Ärztin und ein Arzt. So begann unser Samstagnachmittag mit einem Infoblock, bei dem die Fachbegriffe erläutert und manche Beispiele dazu erzählt wurden.

Danach gab es wichtige Impulsfragen:

Was ist mir wichtig?               Im Leben.  –  Im Sterben.

Sterben gehört eindeutig zum Leben und kann nicht vom Leben getrennt betrachtet werden. Also ist vermutlich das, was mir im Leben wichtig ist, auch im Sterben wichtig.

Was entspricht eher meiner Grundpersönlichkeit?

Der Spatz in der Hand? Oder die Taube auf dem Dach?

Will ich meinem Leben mehr Tage geben oder will ich meinen Tagen mehr Leben geben?

Was macht mir Angst?           Warum? Durch ein Erlebnis? Oder ist es eine Vorstellung?
Was davon kann ich eventuell durch Nachfragen, Klärung, Besprechen reduzieren,
z. B. weil es auf Nicht-Wissen beruht?

Welchen Tod wünschen wir uns?  Unerwartet, schnell.Bedeutet das eventuell weniger Leiden?

Oder wäre mir die Chance auf Abschied wichtig. Bedeutet sie mir etwas?
Hat es eine Relevanz für mich, was das für meine Angehörigen bedeuten könnte?

Es gibt Werte zwischen verschiedenen Polen:
möglichst lang leben oder Selbstbestimmung am Lebensende bis zum dem Punkt, es auch selbst beenden zu dürfen.

Helfen mir andere Beispiele?

Menschen, die unter der Vorstellung einer Querschnittslähmung nicht beatmet, nicht operiert werden wollten. Und die sich dann doch anders entschieden haben.

Welche Gefühle habe ich, wenn ich von Menschen höre, die sich bewusst gegen Chemotherapie entscheiden, obwohl es ernstzunehmende Therapieangebote gibt.

Was bedeutet das Bild „…nach dem letzten Strohhalm greifen…“ für mich?

Welchen Sinn versuche ich in Leiden zu sehen? Kann es einen geben?
Ist es dann ein Fehler, Leiden zu lindern?

Die Impulsfragen halfen in einer persönlichen Gebetszeit die persönichen Ängste und p1040586Werte zu erspüren. In einer Anhörrunde teilten wir die Früchte dieser stillen Zeit und erfuhren so nochmal neue Impulse, da doch jede/r seine eigene Sicht auf die gleichen Themen hat. Mit dem Lied „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ beendeten wir den thematischen Teil und der Mittag klang bei einem gemeinsamen Vesper aus, hatten doch alle etwas mitgebracht, was zu einem abwechslungsreichen Büffet wurde.

Ich wurde vielfältig beschenkt. Zum einen fand ich zu diesem komplexen Thema einen neuen Zugang, ich muss mir meiner Werte klar werden und diese schriftlich festhalten. Dann haben es meine Lieben später leichter in meinem Sinn für mich zu entscheiden. Zum anderen erlebte ich wieder mal die Kraft des Teilens in einer Gruppe von Gleichgesinnten bzw. Gleichgläubigen. Es macht Mut zu sehen, dass man / frau mit manchen Fragen nicht alleine ist und Andere mir vielleicht schon voraus eine gute Antwort gefunden haben.

Danke an alle für die Offenheit und das Teilen.

Für alle die Ähnliches vorhaben, hier unser Einladungsflyer:

flyer_patient_verfueg