„Neues aus Ragusa“ Das GCL-Flüchtlingsprojekt „An die Grenzen gehen“ in Sizilien geht in eine neue Runde!

Symbolbild Ragusa

Auch 2016 gibt es wieder das Angebot für junge und junggebliebene Interessenten, drei Wochen lang in einer Gruppe von Freiwilligen in Ragusa zu leben und in Zentren der Stiftung San Giovanni Battista mitzuarbeiten.

Die Teilnahme ist an folgenden Terminen möglich:

  • 25.6.-17.7.2016
  • 16.7.-7.8.2016
  • 6.8.-28.8.2016
  • 27.8.-18.9.2016
  • 17.9.-9.10.2016

 

Die Kosten für den Aufenthalt betragen 275 für Unterkunft und Verpflegung (ohne Anreise).

Die Anmeldung erfolgt dieses Jahr erstmalig über die Website der europäischen GCL www.clc-cvx.eu. Die Interessenten werden dann von den Verantwortlichen zu einem Skype-Interview eingeladen.

Nähere Informationen:

Der neue Vorstand der GCL Deutschland

Beim Delegiertentreffen der GCLDeutschland in Werdenfels wurde der neue Vorstand gewählt:

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  • Vorsitzende: Maria Boxberg
  • Stellvertreter:Bernhard Zaunseder
  • Weitere Mitglieder: Christine Neumann, Frank Beyersdörfer, Gerlinde Knoller

Kraft Amtes gehören weiterhin zum Vorstand: Thomas Gertler SJ (Kirchlicher Assistent) und Daniela Frank (Nationalreferentin).

Herzlichen Glückwunsch den Gewählten und alles Gute für den gemeinsamen Weg! Gottes reichen Segen für Euer Wirken!

Du kennst mich – kleiner Impuls in der Fastenzeit

Am 19. Januar 1972 schrieb Fridolin Stier einen Dialog zu Psalm 139, den ich gestern entdeckt habe und einfach teilen möchte. Am Ende ist die Rede davon, was Gott zu Herzen geht, ihm, dem Barmherzigen. Diese Geschichte kann einen schlagartig zum Umkehren bewegen. Umkehren, sich ansehen lassen, aushalten und die „Lästerungen enttäuschter Liebe“ verlieren ihre Notwendigkeit.

Als er kam, erkannte ich ihn nicht. Unangeklopft war er hereingekommen, leise, stand hinter mir. Ich saß mit dem Rücken zur Tür, er muss schon ein Weilchen, weiß Gott wie lange schon, hinter mir gestanden haben, als ich Anwesenheit spürte, wie es mir des öfteren passiert (es ist unheimlich).
Ich drehte den Kopf und da war er, ein gänzlich Unbekannter, der mir doch irgendwie bekannt vorkam. Ich meine, ich hätte Bilder von ihm gesehen, vielleicht lagen gar noch welche in der Schreibtischschublade, aber nein, er glich deren keinem. Er sah mich nur an, schweigend starrten wir uns an, ich weiß nicht wie lange, vielleicht nur Sekunden. „Nun?“, sagte ich endlich, „ich glaube nicht, dass wir uns schon einmal begegnet sind.“
„Nein!“ „Mein Name ist Gott“, sagte der Fremde. „Na, dann, Guten Tag Herr Gott! Sind sie gewiss der einzige dieses Namens, ich meinte, er sei für einen anderen, nämlich für einen ganz anderen (wie manche Experten behaupten) reserviert.“ Darauf sagte er: „Sie haben recht – der Einzige und der Andere bin ich. Und wir sind uns schon unzählige Male begegnet, vielleicht unter anderen Namen, die Sie mir, dem Begegnenden geben. Und heute, auf dem Friedhof und auf dem Rückweg haben Sie mich gerufen.“
„Gerufen?“ „Ja, gelästert haben Sie mich! … Sie wissen wohl nicht, wie sehr mir die Lästerungen enttäuschter Liebe zu Herzen gehen?“ Sprachs und ließ mich verdattert sitzen.

Zu finden in: Stier, Fridolin: Mit Psalmen beten, Stuttgart 2001, 1. Auflage

Welttag 2016 – Regionalgemeinschaft Aachen u. Köln gemeinsam mit der Diözesangemeinschaft Trier

„Sorgt euch um das Wohl der Stadt… – Die größere Wirklichkeit wahrnehmen.“
Mit den Worten des Propheten Jeremia wollen wir uns beim Welttag 2016 von der Vielfalt der Menschen und deren Lebensformen anrühren und herausfordern lassen. Verschiedene Gäste werden zu Wort kommen; wir werden ihre Lebenswirklichkeit wahrnehmen, auf uns wirken lassen und ins Gespräch kommen.
Mehr dazu und zur Anmeldemöglichkeit hier im Flyer zum downloaden:
Welttag St. Thomas 2016
Wir freuen uns, diesen Tag zum zweiten Mal mit der Diözesangemeinschaft Trier gemeinsam zu feiern, am Samstag, dem 12. März 2016 von 9.30 bis 17.00 Uhr schönen Exerzitienhaus in St. Thomas /Eifel.

amare…servendo – durch dienen lieben

Ich treffe hier bei den Gästen(Flüchtlingen) viele Muslime, nur wenige Christen. Mittags nach dem Mittagessen bieten Andrea und ich Brettspiele an, wir spielen „Dame“, „Mensch Ärger Dich nicht“ und „Trenta“. Am zweiten Sonntag hatten einige Mitglieder der benachbarten kath. Gemeinde die Männer aus unserem Zentrum zum Mittagessen eingeladen, es gab Spaghetti und die Nigerianer kochten nach Rezepten aus ihrer Heimat. Eine bunte Gesellschaft war zusammen und danach wurde noch getanzt.

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Gemeinsames Mittagessen der „Gäste“ in der Pfarrgemeinde

Sonntags fuhren wir Voluntäre nach Marina di Ragusa ans Meer und samstags schauten wir uns in Caltagirone wunderbare gut erhaltene Mosaike aus griechischer Zeit an. Es war schön, ein Auto zu haben und so am Wochenende etwas vom Land zu sehen. Die Landschaft ist sehr schön und die Temperaturen waren auch angenehm.

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Der Strand bei Marina di Ragusa

Die Konflikte zwischen den Flüchtlingen im Zentrum nahmen zu und die Stimmung wurde schlechter. Die Gründe waren sehr unterschiedlich. Die meisten Gäste sind Nigerianer und bekommen vermutlich einen negativen Bescheid, da sie als Wirtschaftsflüchtlinge gelten. Das Taschengeld war immer noch nicht da und im OG waren zwei von vier Duschen nicht nutzbar. Freitags versammelten sich plötzlich viele Gäste vor dem Büro, es wurde laut. Die Leiterin kam aus dem Büro, und im Flur fand dann plötzlich eine Diskussion darüber statt, warum immer noch kein Taschengeld ausbezahlt wird. Die Gäste vermuteten, dass die Leiterin das Geld gar nicht ausbezahlen will, weil angeblich in allen anderen Zentren das Taschengeld schon bezahlt wurde – alle zwei Monate sollte es bezahlt werden, hier wartete man nun schon fast drei Monate. Endlich am Montag wurden dann die Schecks ausgegeben und das Taschengeld konnte bei der Bank geholt werden. Wir haben nun schon zwei Wochen jeden Tag das Mittagessen im Zentrum eingenommen, es gab entweder Reis mit Soße oder Spaghetti mit Soße, sonst keine Abwechslung. Ich spiele nun fast täglich mit den Gästen Fussball, mal auf einem kleinen Steinplatz, mal auf einem großen Kunstrasenplatz, die Jungs gingen bisher sehr rücksichtsvoll mit mir um, mein Alter wird respektiert 😉

Mittwochabend ist Bibelkreis bei den Jesuiten und dank einer Simultanübersetzung in englisch konnten wir auch etwas verstehen. Wir hörten ein Kapitel aus dem Buch Tobit und fast eine Stunde las Cesare, der Jesuit, und erläuterte diesen Text. Nach diesem ersten Teil gehen die meisten aber ca. 12 Personen blieben noch da, die sehr persönlich ihre eigenen Erfahrungen erzählten, an die sie durch den Text erinnert wurden. Auch wir wurden eingeladen uns mitzuteilen. Mir fiel zu diesem Text ein Lebensthema ein: „begleiten und begleitet werden“, was ich auch in diesen Tagen hier in mehrfacher Hinsicht erlebe. Ich werde begleitet von der Gruppe der GCLer und ich begleite zeitweise andere Menschen, seien es Operator, Gäste oder jemand aus unserer Gruppe..

Da wir als Freiwillige in der Flüchtlingsarbeit vorgestellt wurden lud uns die Italienerin Mariella ein sie am nächsten Dienstag bei einem anderen Dienst zu begleiten, den sie ehrenamtlich tut.

Dienstagmorgens holte uns Mariella ab und wir besuchten „vo.cri“ (Assocciazone di Volontario Christiano ONLUS), in dem 90 Freiwillige jede Woche von montags bis samstags arbeiten. Gegründet wurde dies am 29. Januar 1993 von Concetta. Diese alte Frau ist auch heute noch mit Stock im Laden und hilft mit. Aber es sind alle Altersklassen von Helfern vertreten, die pro Tag ca. 50 Familien und insgesamt ca. 300 Familien betreuen. Vor der Öffnung morgens wird bei 20 Bäckern um Backwaren gebeten, welche dann später ab 9.00 Uhr an die Hilfsbedürftigen verteilt werden. Daneben werden Kleider ausgegeben. Das Kleiderlager ist übervoll. Im Obergeschoss sind Räume für eine Hausaufgabenhilfe, in die 30 Kinder von dreizehn Nachhilfelehrern betreut werden. Salvatore führte uns durch das Zentrum, dessen Räume vom Bischof kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Vo.cri erhält kein Geld vom Staat und finanziert sich nur aus Spenden. Gemäß dem Aufruf des Papstes wurde in diesem Haus einer fünfköpfigen Familie aus Tunesien eine Wohnung gegeben. Mich berührte besonders das Motto der Gruppe „amare … servendo“ (durch dienen lieben). Auch wenn ich fast alles nur auf italienisch erklärt bekomme und vieles erraten muss, meine ich alles verstanden zu haben, es ist dieser klar spürbare Geist.

Sizilien hat seit 1998 sehr viele Flüchtlinge und die Menschen sind immer noch gastfreundlich und engagieren sich. Ich wünsche mir diesen Geist auch in meiner Heimat für die Zukunft.

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Heimfahrt von Siracusa

Auf der Heimfahrt von Siracusa erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang. Obwohl die Landschaft manchmal recht karg ist, wachsen hier noch viele Pflanzen üppig . Über die vielen Farben können wir nur staunen. Es gibt so viele Farben und weniger Farben wäre sicher trister.

ankommen und aushalten

Sonntags kamen wir nach einer 90minütigen Busfahrt vom Flughafen Catania in Ragusa an. Wir erlebten noch Katarina aus Kroation und Pino aus Luxemburg, die am gleichen Abend abreisten. In Italien gibt es sehr viele Organisationen, die im Auftrag des Staates in der Flüchtlingsarbeit tätig sind. Die CLC Italien hat mit der kirchlichen Organisation „Fondazione San Giovanni Battista“ eine Vereinbarung getroffen, dass in drei Flüchtlingszentren in Ragusa für die Zeit von sechs Monaten jeweils sechs Freiwillige kostenlos mitarbeiten. Im November gehören wir nun zu diesen Freiwilligen und wir sind sogar sieben Personen, aus der Schweiz, Italien, Frankreich, Slowenien, Niederlanden und Deutschland. Montags besuchten wir zwei der drei Zentren, am Mittwoch das dritte Zentrum.

Bild_1: Die Freiwilligen erhalten eine Vorstellung des Flüchtlingszentrums durch den Leiter.

Bild_1: Die Freiwilligen erhalten eine Vorstellung des Flüchtlingszentrums durch den Leiter

Danach teilten wir uns auf die die drei Zentren auf. Zwei Frauen von uns gehen in ein Zentrum mit neun Frauen und drei Kindern, drei Andere fahren jeden Tag ca. 30 Minuten auf das Land in ein Zentrum, in dem 40 Männer aus Nigeria und Bangladesch wohnen. Ich bin der einzige Mann der Freiwilligengruppe und da sich die „Operator“ (Hauptamtliche) des Zentrums in Ragusa-Stadt mit 30 Männern aus Nigeria und Gambia einen Mann wünschten, gehe ich eben mit Andrea dorthin.

Es fällt mir sofort auf, dass die Flüchtlinge in den Zentren hier „Guests“ genannt werden und ich frage mich, warum wir bei uns in Deutschland viele Worte verwenden, aber nie „Gäste“ sagen und dazu passt folgender Text aus dem jüdischen Talmud:

Achte auf deine Gefühle, sie werden zu Worten.

Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Taten.

Achte auf deine Taten, denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie bilden deinen Charakter.

Achte auf deinen Charakter, denn er bestimmt dein Leben.

Es gibt in Italien zwei „Level“ der Unterbringung, in den ersten sechs Monaten sind es die CAS-Zentren, danach findet mehr Integration in den SPRAR-Häusern statt. Wir arbeiten in den SPRAR-Zentren mit mehreren Operators, wobei viele nur Teilzeit arbeiten. Die wirtschaftliche Situation in Sizilien ist schwierig und die Operator unseres Zentrums wissen, dass ihr Zentrum im Dezember geschlossen wird, es dient nur zur Spitzenabdeckung im Sommer. Die Operator haben dann erstmal keine Arbeit mehr. Auch die „Gäste“ wissen, dass ihr Zentrum im Dezember geschlossen wird und sie dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Absage zu Ihrem Antrag auf „documents“ erhalten. Dementsprechend ist die Stimmung in diesem Zentrum „Carducci“ bei den „Gästen“ eher depressiv, bei den Operators mehr trostlos. In dieser Situation ist es sehr schwer mit neuen Ideen zu kommen, weil es ja nicht mehr für sehr lange sein wird. Andrea und ich haben uns deswegen überlegt eher Zeiten der Begegnung anzubieten, z.B. einen Workshop „Brotbacken“, eine Stunde „Brettspiele“ oder kreatives „Postkartenerstellen“, dies müssen wir aber zuerst noch mit der Leiterin des Hauses absprechen. Gleich in der ersten Woche konnten wir ein Fußballduell der beiden Mannschaften der Männerunterkünfte erleben, bei dem es sehr engagiert zur Sache ging.

Bild_2: Fußballspiel der beiden Männermannschaften

Bild_2: Fußballspiel der beiden Männermannschaften

Alle „Gäste“ haben eine Krankenversicherungskarte, dies hat mich aufhören lassen, ist dies doch bei uns in BaWü nur im Gespräch, aber noch nicht umgesetzt. Das Mittagessen wird mittags von einer Kantine gebracht, wir Freiwillige essen dies auch. Ich habe schon diverse Kantinenessen erlebt und man wird auch von diesem satt, aber sehr geschmackvoll ist es nicht. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass max. die Häfte der Bewohner das Mittagessen einnimmt und die Stimmung bei der Essensausgabe bisher täglich sehr gereizt war.

Ich hatte bisher Gespräche mit Männern aus Gambia und aus Nigeria. Alle sprechen sehr positiv von Deutschland, haben aber auch viele falsche Vorstellungen und Infos. Es kursieren Gerüchte, bei denen ich oft nicht weiss, ob ich nur den Kopf schütteln soll oder mir wieder die Mühe der Richtigstellung mache, meistens tue ich beides nur die Reihenfolge ändert sich manchmal. Sehr berührt hat mich der öfters gehörte Satz „ich fühle mich faul, aber ich bin nicht faul“, von Männern, die gerne arbeiten würden aber nicht dürfen. Irgendwann erfahre ich, dass Andere es eben trotzdem tun.

Am Sonntag findet ein Fest in der katholischen Pfarrgemeinde statt, dort wird italienisch gekocht und die Nigerianer werden Rezepte aus Ihrem Land zubereiten. Wir sind dazu eingeladen und ich freue mich schon darauf.

In dieser ersten Woche habe ich gelernt, dass wir hier keine großen Dinge bewegen werden. Aber wir können im Kleinen da sein, für eine kurze Zeit Gespräche führen, miteinander lachen und so vielleicht nur wenige Minuten diese Hoffnungslosigkeit gemeinsam vergessen. Wir dürfen einfach nur da sein.