Treffen des europäischen Migrations-Netzwerkes vom 7.-9. April 2017 in Barcelona

servir en las fronteras

heißt auf Deutsch an den Grenzen dienen; mit diesem Satz auf einem Armbändchen wurden wir in Barcelona begrüßt, wo wir uns mit 15 anderen Gesandten aus Europa trafen. Mit diesem Motto ist schon der Sinn dieses Treffens umrissen: Wie können wir gemeinsam im Dienst an Flüchtlingen und Migranten wachsen und uns dabei gegenseitig unterstützen?

Für uns beide war es schon grenzwertig, nur für ein Wochenende nach Barcelona zu fliegen. Und den Bekannten, denen man gleich noch erklärt, dass wir weder am Strand sein noch die Kirche „familia sagrada“ besuchen werden, kommt es dann richtig spanisch vor.  So war dieses Wochenende auch ein Dienst aber mit vielfältiger Bereicherung und Stärkung. Es wurde uns beiden deutlich, was es in Europa für die GCL heißt ein „Leib mit vielen Gliedern“ zu sein und insbesondere ein „apostolischer Leib“.

Die 17 Teilnehmer/innen dieses Treffens aus 10 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich, Malta, Polen, Schweden, Großbritanien,Deutschland) erzählten sich gegenseitig, welche Aufgabe im Zusammenhang mit Flüchtlingen sie übernehmen, welche Schwierigkeiten sie dabei mit diesem Thema haben, welche Ideen und Projekte gewachsen sind.  In Spanien wird das Leben einer „Willkommenskultur“ als nationale GCL-Aufgabe gesehen und man hat zum Ziel mehr mit den Jesuiten zusammenzuarbeiten. Die Franzosen sind sehr aktiv in vielen Projekten und stellten in der Runde die Frage „Wie kann man in GCL-Gemeinschaft schnell eine gemeinsame Antwort finden?“, noch dazu wenn es 7000 Mitglieder sind. In Luxemburg organisiert die GCL in zwei Gästehäusern für minderjährige Flüchtlinge eine Freizeit an der Mosel, bei der junge Erwachsene (21-35 Jahre) die Aufsicht haben. Hierzu können sich auch französische sprechende junge Erwachsene aus Deutschland eingeladen fühlen, ein Einsatz dauert fünf Tage. (Interessenten können sich melden bei: arausch@pt.lu) In Österreich hat sich die letzten Jahre sehr viel entwickelt. Es startete mit der Frage „Was braucht es?“ und bis heute haben sich daraus verschiedene Aktionen entwickelt. So wurden Postkarten an alle GCL zum Flüchtlingsthema verschickt, es gibt einen monatlichen Gebetsimpuls auf der GCL-Homepage und es werden Infos via email verteilt. Das Netzwerktreffen in Linz im Februar war gut besucht. In Malta ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst sehr aktiv und es wurde der päpstliche Vorschlag „einer Flüchtlingsfamilie in jeder Gemeinde Wohnung bieten“ aufgegriffen. In Polen haben vor vier Jahren Flüchtlinge immer bei Jesuiten in Warschau um Hilfe gebeten, dieser Örtlichkeit haben sich GCLer angeschlossen und unterstützen Flüchtlinge auf vielfältige Weise. In Italien bietet die nationale GCL in Rom Flüchtlingen eine Unterkunft und in Rom, Neapel und Palermo bieten Jesuiten und GCL gemeinsam ein Freiwilligenprojekt an. In GB ist derzeit der Brexit ein traurig vorherrschendes Thema und ich war beeindruckt, dass zwei GCLerinnen aus GB sich auf den weiten Weg nach Barcelona aufgemacht hatten. Dass Schweden trotz des noch laufenden GCL-Anerkennungsprozesses eine Vertretung nach Barcelona schickte, zeigte uns, dass auch im Norden Europas das Thema sehr wichtig genommen wird.

CLC_Migration_Network_Barca

Wir erlebten direkt, wie unterschiedlich die Gegebenheiten in den verschiedenen Ländern sind und wozu sich die einzelnen Nationalgemeinschaften berufen fühlen. Wie das Auge nicht die Aufgaben des Zwerchfells übernehmen kann und soll, so kann und muss keiner von uns seinen Dienst  vergleichen mit dem der spanischen, polnischen oder britischen GCL. Wir dürfen uns ergänzen und tun dies wie die Apostel als Gesandte Jesu.

Das spanische Migrationsteam, das im Wesentlichen aus Maria Morales besteht und von Adelaida La Casta unterstützt wurde, hatte sich 4 Arbeitsbereiche für unser europäisches Migrationsnetzwerk überlegt mit dazugehörigen Zielen, über die wir den ganzen Samstag nachdachten, diskutierten und berieten.

1) die Wahrnehmung und Kenntnis der Realität von Flüchtlingen erhöhen
–> Informationen aller Art zur Verfügung stellen, wo sich GCL-Mitglieder in Europa
informieren und berühren lassen können
–> hier scheint eine europäische Website wichtig, die mehrsprachig genutzt werden               kann

2) Unterstützung bei Unterscheidungsprozessen, wie in der Vorgehensweise des USUAL             –> es geht darum in den Nationalgemeinschaften und als euop. Gemeinschaft                  konkrete Antworten auf diesem Feld von Sendung zu finden; also wie reagieren                  wir als GCL-Gemeinschaft/en auf die Situation der Flüchtlinge?

3) Projekte auf europäischer Ebene (weiter)entwickeln                                                                –> hierbei soll sichtbar werden, dass wir nicht nur als Einzel“kämpfer“ im Einsatz sind,       sondern als „apostolischer Leib“ agieren, es geht auch darum, dass wir erfahren            können und zeigen, dass wir als Christen zum Dienst an den Menschen, die uns               brauchen, berufen sind.

4) sich auf europäischer zum Anwalt der Flüchtlinge und Migranten machen                   –> unsere Stimme als GCL-Gemeinschaft erheben gegen Verletzung der Menschen-         rechte und ungerechte Entscheidungen auf europäischer politischer Ebene.

Da wir ja kein politisches Aktionsbündnis sind, sondern eine ignatianische Gemeinschaft, gab es in diesem Austausch gleich viel Aufmerksamkeit für jedes Mitglied, sei es aus einer ganz jungen, noch gar nicht anerkannten Gemeinschaft wie z.B. Schweden oder aus einer Gruppe von nur 200 Mitgliedern in Britanien, die sich noch gar nicht gemeinschaftlich für Flüchtlinge engagiert oder aus den ganz massiv betroffenen Ländern wie Italien, Malta, Spanien und Frankreich. Und es gab natürlich Zeiten der Stille und des Gebets, um das Gehörte sinken zu lassen und dem Geist Gottes einen Raum für sein Wirken zu öffnen.

Andere Aspekte von Bereicherung, die wir in diesen zwei Tagen erfahren haben, waren die Unterbringung bei Vinzentinerinnen, mit einem fast paradiesischen Park rund um das Haus, von dem wir einen herrlichen Blick auf Barcelona hatten;  die gemeinsame geschwisterliche Feier des Palmsonntags mit weiteren 4 Personen, die hier ihre Exerzitien gerade beendeten und mit zwei Jesuiten, die auf englisch und französisch die Messe mit uns feierten; die Einladung durch die spanische GCL zu einem köstlichen Eis im Zentrum von Barcelona am Samstagabend; die Erfahrung der unterschiedlichen Lebhaftigkeit europäischer Menschen und wie inspirierend sich das ergänzen kann.

Bisher war das GCL-Netzwerk „Migration“ von der spanischen GCL geleitet worden (Maria Morales) und es wurde entschieden, dass dafür zukünftig ein CORE-Team gebildet werden soll. Darin mitarbeiten werden Maria Morales(Spanien), Laura Scaglia(Italien), Nicole Amrouche(Frankreich)

CLC_Migration_COREteam_Barca

Foto: von links das CORE-Team Nicole, Maria und Laura mit Claudine Drochon (Euroteam)

Für uns als deutsche GCL geht nun die Frage weiter, was wir zum Thema Migration in den europäischen „Leib“ einbringen können, was unserem Charisma entspricht und welche Sendung wir in diesem Bereich erkennen. Es gibt viele einzelne GCLer/Innen, die sich für Flüchtlinge in ihrer Umgebung einsetzen, aber wie können wir uns darin als „ ein apostolischer Leib“ erfahren?

Ingrid und Patrick Jutz, Ettlingen

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